Bits4Girls - Das neue digitale Förderprojekt

„Bits4Girls“: SI-Club öffnet Mädchen Zukunftsoptionen
Vom technischen Herz der Frauenrechte

Kathrin Hartz
EMSDETTEN. „Daddeln“, Instagram-Profile pflegen, Youtube-Videos schauen, Musik aufs Smartphone laden, mit Freunden über Whatsapp kommunizieren – damit haben Jugendliche, egal welcher Herkunft, gemeinhin keine Schwierigkeiten, „aber von einer SMS – oder wie ein Computer funktioniert – haben viele noch nichts gehört“, sagt Sandra Opallach.
Die Systeminformatikerin vermittelt Marien-Schülerinnen mit Migrationshintergrund berufsrelevante Computerkenntnisse – ein Förderprojekt mit der Bezeichnung „Bits4Girls“, das der SI-Club Emsdetten – Greven – Saerbeck in Kooperation mit der Marienhauptschule und dem Lernen Fördern e.V. initiiert hat.
Mailin bekommt von Opallach einen Schraubendreher in die Hand gedrückt. Und den Auftrag, eine Festplatte aus dem offenen Gehäuse eines PCs zu entfernen. „Ich kann das nicht“, sagt die 13-Jährige reflexhaft, als sie das Werkzeug und den Technikwust im Computer sieht.
„Mädchen haben häufig große Berührungsängste zu technischen Dingen“, weiß Marlies Blenkers. Sie ist die Klassenlehrerin der 8 a, in der auch die zwölf Mädchen des IT-Kurses sind.
Aus diesem Grund war es Erika Leuteritz, Präsidentin des SI-Clubs, und Barbara Haverkamp, stellvertretende Vorsitzende, umso wichtiger, das Projekt zur berufsverwertbaren Digitalkompetenz ins Leben zu rufen. „Und ganz besonders von Bedeutung ist diese Fähigkeit für Mädchen mit Migrationshintergrund“, erklärt Leuteritz.
Denn obwohl die Einwilligungen der Eltern zum Kurs sehr zügig gegeben worden seien, wie Kathryn Hermsen, pädagogische Leiterin des Kurses, erläutert, sei die Aufgeschlossenheit der Familien gegenüber einer technischen Ausbildung für ihre Töchter oft nicht sehr groß.
Für viele Familien reiche es aus, wenn ihre Töchter tippen könnten, sagt Blenkers. „Und ich habe in einem Schuljahr erlebt, dass zwei Mädchen eine Ausbildung in Aussicht gestellt wurde, aber direkt nach dem Schulabschluss sind sie in die Türkei verheiratet worden. Und wir haben nie wieder etwas von ihnen gehört“.
Sie empfinde es als irritierend, dass selbst Eltern, die in dritter Generation in Deutschland lebten, sich mit der Vermittlung westlicher Werte und Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau oft so schwer täten, so die Lehrerin.
Aber kann ein Computer-Kurs das verhindern? „Vielleicht nicht gänzlich“, räumt Blenkers ein, jedoch könnten solche Angebote Berührungsängste mit dem Thema abbauen, den Mädchen mehr Selbstvertrauen in ihre technischen Fähigkeiten geben.
Von den Sorgen um ihre berufliche Zukunft bekommen die Mädchen beim „Bits4Girls“-Kurs im Untergeschoss von Lernen Fördern e.V. wenig mit. Gut aufgelegt, schlagen sie sich in der Unterrichtseinheit mit ganz anderen Problemen herum: „Wo ist denn jetzt das Herz?“ fragt eine Schülerin, die ihren Kopf tief in das Innenleben des PCs gesteckt hat.
Begriffe wie Prozessor, Festplatte und Motor fliegen durcheinander. „Na ja“, sagt Opallach, man könnte auch das Netzteil als Herz bezeichnen, „weil ohne Strom läuft gar nichts“.
Das sehen die Mädchen ein, um das Werkzeug reißen sie sich trotzdem nicht. Aber es ist auch erst die zweite Einheit des Projektes, das noch bis zu den Sommerferien läuft und nach Wünschen von Erika Leuteritz, Barbara Haverkamp und Marlies Blenkers am liebsten fortgesetzt würde.
„Die Mädchen lernen hier nicht nur Business-IT wie Office, Excel oder technische Details“, begründet Blenkers den Wunsch, „auch soziale Kompetenzen, Pünktlichkeit oder den Weg zum Kurs selbstständig zurückzulegen, das sind wichtige Voraussetzungen für das spätere Berufsleben“.
Mailin gefällt das alles „richtig gut“. Was sie gern noch können würde in Sachen Computer? „Ich würde gerne mal etwas programmieren“, sagt die Schülerin.

Das Projekt wird ausschließlich durch Spenden des SI-Clubs finanziert.

Quelle: Emsdettener Volkszeitung/ev-online.de/EV digital vom 18. Mai 2019 „Inhalte sind urheber- und nutzungsrechtlich geschützt“




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